Griechenlandrallye Juni/Juli 2000


    Treff – und Ausgangspunkt dieser Fliegerreise war Sonntag, 25. Juni auf dem Flughafen Korfu mit einem Zeitfenster (Slot) zwischen 15.00 und 17.00.
    Da der Wetterfrosch für die zweite Hälfte dieser Woche Nordstau angesagt hatte, entschlossen wir uns, schon am Mittwoch den Weg südwärts anzutreten.
    Bei CAVOK flogen wir am Mittwoch über den Bernardino nach Locarno, assen dort gemütlich z’Mittag und dann gings mit Flugplan weiter eine kurze halbe Stunde nach Milano Linate. Dort waren wir zwischen den Business Jets die einzige, einmotorige Cessna 182 !
    Wie klein man sich da vorkommt ! Aber: Zoll, Service etc. absolut empfehlenswert und professionell. Leider kein Most, aber wir hatten noch in Locarno randvoll getankt und dachten, es würde uns schon bis Brindisi reichen.

    Am andern Morgen immer noch tolles Wetter und wir flogen nun gemütlich und schön tief (3500 ft) über Parma, abeam Bologna, an der Rennpiste von Imola vorbei nach Rimini. Dies ist ein Militärflugplatz, welcher nach PPR aber ohne weiteres angeflogen werden kann. Superservice, nette Leute, aber wieder: kein Most !

    Nach einem schönen, gemütlichen Abend und tollem Essen gings am Freitag weiter, der Küste entlang Richtung Süd: Ancona, Pescara, über den „Sporen“ des italienischen Stiefels Amendola, Bari nach Brindisi. Ein wunderschöner Flug, anfänglich den aufgereihten Sonnenschirmen nach, dann immer wildere und weniger bebaute Küste.
    Wir landeten um 15.00 in Brindisi mit den letzten Tropfen im Tank. Nach der Landung taxi to the fuel station, der Controller sagte uns, der Tankwart komme bald. Nach einer Wartezeit von ca. 1/2h in der Mittagshitze, kommt tatsächlich ein silbergrauer, neuer BMW 500er angerollt! Der Chef höchstpersönlich ! Er begrüsst uns freundlich, zuckt bedauerlich seine Schultern, nicht weil er keinen Most hat, nein, nein, aber weil wir jetzt so viel bezahlen müssten ! Wir seien off-peak, d.h. nach der normalen Arbeitszeit hier (von 08.00 – 13.00) weshalb wir 60'000 Lit. „Sonntagszuschlag“ bezahlen müssten, zu einem Literpreis von umgerechnet Fr. 2.40 ! Aber wenn man schon da ist, gewartet hat, etc... beisst man in den sauren Apfel. Dann stiegen wir in ein Taxi, der Fahrer fuhr wie Clay Regazzoni in einer 25 Minütigen  Irrfahrt ins beste Hotel der Stadt (am andern Morgen brauchte der Täxeler knapp fünf Minuten !) Und das beste Hotel der Stadt ist absolut nicht empfehlenswert. Ueberhaupt:
    Liebe Fliegerkameraden lasst die Finger von Brindisi, hier kommen alle nur durch um ihre Autos auf die Fähren nach Griechenland zu laden, nichts los und gutes Essen ist auch rar.

    Endlich, am andern Morgen mit Flugplan übers Wasser nach genau einer Stunde Anflug auf Korfu, sehr spektakulär über eine Bucht, knapp an den Hotels vorbei auf den Runway.
    Welcome to Greece ! Ausrollen, Parkieren und tanken beim BP, unfreundlicher Serviceman, nur cash – please – und ca. Fr. 2.85 pro Liter !
    Dann Taxi transfer zum Hotel Corfu Holiday Palace, das sich an einer Landzunge, um die Ecke auf einem Hügel gerade am Flugplatz befindet. Ziemlich spektakulär, man kann vom Zimmerbalkon aus die Jets auf gleicher Höhe „ab-und anfräsen“ sehen. Nur leider geht das auch die ganze Nacht ! Ohrpfropfen sind angesagt für meine Empfindlichkeit.
    Aber: Nach dem Begrüssungscocktail abends und gegenseitigem Kennenlernen der crews, tolles Buffet. Wir sind die einzigen Schweizer, es gibt noch einen Belgier, eine Deutsche, der Rest sind die „Grande Nation“, Amtssprache ist Französisch, was uns nicht stört. Zumindest scheint es, die Leute sind dem Wein auch so zugetan wie wir. Wir haben zu wenig Zeit um Corfu zu besuchen, dies werden wir auf dem Rückweg tun.

    Am andern Morgen, nach tollem Frühstücksbuffet geht’s auf den Flugplatz und zum Ausfüllen (von jetzt an immer-) des dreifachen Flugplanes, bitte schön, wir haben kein Kohlepapier ! Dann besteigen wir unsere Vögel und warten auf die start-up-clearance, taxi, etc. Die Griechen behandeln die VFR – Flieger wie Airliner, d.h. sehr kompliziert und ausführlich: beim Wegfliegen von Corfu, wird jeder crew die gleiche Abflugroute wiederholt und natürlich muss sie der PIC auch komplett zurück quittieren am Funk, was zu einer langen Wartezeit am Boden führt, zumindest für die, die in der Reihe etwas weiter hinten anstehen !
    Nun, endlich – um 10.02h takeoff von Kerkira (Corfu) über Gardi und Paxi Meldepunkte, der Küste entlang (mehr oder weniger) in 47 Min. nach Kefalonia, der grössten der Ionischen Inseln. Die strengen Berge kontrastieren mit Pinien-, Zypressen- und Olivenbäumen. Eine tolle, romantische Insel, welche auch mit Fährschiffen die das eigene Auto transportieren erreicht werden kann. Nach einem spektakulären Anflug über eine Meerbucht (wir sind die einzigen Flügerli), fahren wir mit einem Bus in ca. ½ h in ein kleineres, gemütliches Hotel.
    Hervorragendes Nachtessen, unter Sternenhimmel, bei schönem Wetter und starken Winden.
    Der griechische Wein fährt ein und so geht man relativ früh ins Bett. Mitten in der Nacht, ca. 02.00h ein Riesengepolter an der Türe, Walter der Fluglehrer und Safety-Pilot der Deutschen Pilotin Erika (sie traut sich nicht alleine) hämmert an unsere Türe und alarmiert uns: Waldbrand ! Wir springen auf: tatsächlich, hinter dem Hotel brennt’s  lichterloh ! Wir packen in Windeseile unsere sieben Sachen und begeben uns in die Hotel Lobby wo sich alle versammeln. Die Feuerwehr ist am Löschen, aber der Wind facht immer wieder neue Brandherde an. Ziemlich ekliges Gefühl, kann ich Euch sagen, man kommt sich so klein vor, vor der Natur ! Nun, nach ca. 2h Ende Gut alles Gut, wir können noch für ein paar Stunden zurück ins Heja Bettchen !

    Am nächsten Tag ist Ruhetag, diejenigen die wollen, gehen auf eine Bootsfahrt, wir ziehen es vor, zu Faulenzen.

    Nun steht ein grosser Flugtag bevor: am frühen Morgen Busfahrt auf den Flughafen, obligates Ausfüllen Flugpläne (siehe oben), alle bereit um ca. 08.00, dann sagt man uns: Streik ! bis um 09.00 wird hier kein Schwanz einen Finger rühren – aber, punkt 09.00 können wir unsere Vögel startklar machen ! Was der Grund für diesen privaten Streik auf Kefalonia war, haben wir nie herausgefunden.

    Take-off um 09.35h, wunderschönes Wetter führt uns durch den Golf von Korinth, dann Patra, durch den Kanal von Korinth, abeam Athen, dann über die Inseln Eghina, Poros und Serifos nach Mykonos unserem Tagesziel, nach 2:15h Flug. Beim Anflug meldet die Controllerin Wind von 40 knots auf der Nase. Ziemlicher fight für eine schöne Landung, weil’s vor dem Runway noch abfallende Felsen hat, ruppiger Anflug, no flaps mit Gas – sonst wäre ich stehen geblieben in der Luft ! Am Boden wollten die guten Leute uns doch sage und schreibe mit dem Füdli gegen den Wind parkieren. Bei mir hatten Sie keine Chance, so drehten dann auch die Franzosen ihre Flügerli gegen den Wind. Anbinden war angesagt, zum Glück sind wir für solche Wetterlagen ausgerüstet ! Dann transfer zum wirklich schönsten Hotel der ganzen Reise: dem Santa Marina, ein Bau typisch für die Kykladen, mit herausragender Sicht auf die Bucht von Ornos.
    Beim tollen Nachtessen wird unsere Freude etwas getrübt: wir bekommen keine Landeerlaubnis weder für Naxos noch für Santorini. Dies obschon die Reiseleitung diese bereits im Januar in der Tasche hatte. Aber, die Griechen sagen: too much traffic. Weil wir wie Airliner behandelt werden, gibt’s bei den armen Beamten eben plötzlich einen unmöglich zu bewältigenden Arbeitsanfall ! – no go !
    Nun, wir verbringen den nächsten Morgen mit sightseeing in Mykonos, herausgeputzt, pittoresk, alles blau-weiss, Windmühlen, Kapellen, kubische Häuser, einen Haufen Souvenirläden, fast ein bisschen zu viel Disneyland ! Am Nachmittag besteigen wir ein Boot das uns auf die Insel Delos, Insel des Apollo, eine Ruinenstadt bringt. Cleopatra hat auch da gewohnt, was den weiblichen Gästen einen ungemeinen Eindruck zu machen scheint.

    Am nächsten Tag, Start zum längsten Flug, um 10.21h: Wieder übers Meer über die Kikladen, Kea, Karystos, NE von Athen Marathon, Tanagra, Attika nach Trikala, wo sich die Meteora befinden. Mächtige, spitze Felswände-Berge, welche teils 300m über die Ebene emporragen, aus grauem Sandstein und auf jedem ist ein Kloster angesiedelt. Wir fliegen im „low-pass“ darüber und drum herum, wirklich super und kein Radar weit und breit ! Dann geht es weiter bei zunehmender Bewölkung (zum ersten Mal auf der Reise) in die Berge (8000 ft) auf ca. 10’ ft über Ionnina mit einem Flugplatz und schönem See, zurück nach Corfu. Totale Flugzeit 2:48h.

    Man trifft sich wieder beim Apéro im Corfu Holiday Palace. Abschiedsparty am Abend mit dem obligaten Buffet, Ouzo und griechischem Wein !

    Rückflug in die Schweiz wieder entlang der adriatischen Küste Italiens. Wir hätten die Route über Kroatien (Dubrovnik), Venedig vorgezogen, aber der „Meteorolüger“ warnte vor einer Kaltfront von Westen. Diese traf dann wirklich ein und wir rutschten mit dem letzten Sonnenstrahl über den Brenner nach Altenrhein bevor der grosse Regen kam !

    Fazit für Piloten: Griechenland wäre ein tolles Land zum erfliegen, wenn nicht die Griechen wären: zu viel Administration, kein Benzin, die Controller sind kompliziert und leider hat man den Eindruck, dass die „Kleinen“ nicht erwünscht sind. Die wollen lieber die LTU-Bomber, die tausende von Billigtouristen ausladen.
    Allerdings, wäre eine Reise im frühen Frühjahr oder Spätherbst  besser und einfacher zu bewältigen.

    Peter von May / HB-CWY