«Ferry Flight HB-CYL»


von Peter Jost und Bruno Jori

 

VFR Ferry - Flight HB -CYL vom 2. Juni 06 bis 13. Juni 06 von Locarno Schweiz LSZL nach Roidina - Farm, Gästelogde und Flying - Centre, Omaruru, Namibia

 

Piloten:
Die beiden Piloten waren Wettbewerbs - Segelflieger,
seit 1992 sind beide Inhaber einer Motorfluglizenz und haben je ca. 800 h Motorflugerfahrung.
Peter Jost geb. 1944 Unternehmer aus Chur CH, seit 6 Jahren Hauptwohnsitz Roidina-Farm Namibia
Bruno Jori geb. 1945 Architekt, wohnhaft in Klosters CH

2001 führten P. Jost und B. Jori bereits einen Ferry - Flug mit HB - CJJ (heute V5 - MPJ)von der Schweiz nach Namibia über Italien, Griechenland, Ägypten, Sudan, Kenia, Tansania, Botswana durch.

 

 

Flugzeug/Ausrüstung:
HB - CYL Cessna 182 RG gebaut 1980, von MFGT (Thun) erworben. In die Maschine wurde der 2001 bereits verwendeten Ferry - Tank 200Liter eingebaut, was der Maschine eine Endurance von mehr als 10½ h
An Ersatzteilen und Ausrüstung wurde mitgeführt: Reservepneus mit Schläuchen, Ersatzkerzen, Werkzeug, Motorenöl, 15 l Trinkwasser, Schwimmwesten, Satellitentelefon, 2 Stk. Garmin 296

 

 

Flugvorbereitung und Route:
An der Routenwahl und Flugvorbereitung waren beide Piloten zusammen mit Turi Attinger beteiligt. Nach Prüfung von verschiedenen Routen (über Italien, Tunesien, Tschad, Zentralafrika nach Namibia) wurde für die geflogene Route entschieden. Entscheidungskriterien waren 1. eine andere Route als 2001 über Ostafrika 2. Politische Situation in den an- und durchzufliegenden Ländern, Zoll-Flugplätze, Erhältlichkeit von AVGAS 100LL 3.Zweckmässige Teilstrecken.

Schlussendlich geplante Route: Locarno (Schweiz), Valencia (Spanien), Marrakech (Marokko), Nouakchott (Mauretanien), Dakar (Senegal), Bamako (Mali), Lome (Togo), Douala (Kamerun), Libreville (Gabon), Luanda (Angola), Ondangwa (Namibia), Roidina (Namibia).


Die Durchführung des Fluges wurde für die gesamte Strecke nach VFR - Regeln in Airways auf FL 050 bis FL 100 geplant. Dazu besorgte Turi Attinger die Jeppesen High/Low Altitude Enroute Charts für die gesamte Strecke, sowie die ONC - Karten für Afrika. Dazu wurden für Europa noch die Jeppesen GPS Karten benötigt. Zusätzlich wurden alle Anflugkarten entlang der gesamten Route beschafft.


Ebenfalls die Überflug- und Landebewilligungen besorgte Turi Attinger mit Unterstützung von Sky Gide, Zürich
Mit einer Ausnahme haben in den Afrikanischen Ländern die zuständigen Stellen für die Einflug- und Landebewilligungen die Anfragen per Fax nicht beantwortet. Bei der jeweiligen Aufgabe der Flugpläne und Durchführung der Flüge stellte sich jedoch heraus, dass uns alle Bewilligungen zur Verfügung standen. Wetterbedingt wurde im Flug von Bamako nach Lome um Bewilligung einer Routenänderung mit Überflug von Burkina Faso angefragt und zu unserem Erstaunen wegen fehlender Überflugbewilligung dieses Landes verweigert.


Marokko war trotz genehmigtem Flugplan mit dem VFR-Fliegen in Airways nicht einverstanden. 30 NM südlich von Tanger kam die Aufforderung von Tanger zur Landung mit der Begründung die VFR Route nach Marrakech müsste am Boden instruiert werden. Nach Immigration in Tanger führte dann die vorgeschriebene Route über Fes zu unserem Ziel.


Auf allen übrigen Abschnitten erwies sich das Fliegen in Airways nach Sichtflugregeln als einfach, effizient und zweckmässig. Bereits in Frankreich über den
Alpen bis Perpignan wurde diese Art VFR zu fliegen zugelassen.

 

 

Visa:
Für die Länder Mauretanien, Senegal, Mali, Togo, Benin, Kamerun, Gabon, Angola, bei den entsprechenden Konsulaten gegen erhebliche Gebühren eingeholt. Unterwegs schienen die Visas und Reisepässe völlig unwichtig. Auf den meisten Flugplätzen konnten die beiden Piloten (ev. auch Dank Pilotenhemd mit Patten) ohne irgendwelche Formalitäten den Flugplatz verlassen und wieder betreten.

 

 

Flugbenzin:
Avgas 100LL zu erhalten war die Hauptsorge auf der gesamten Reise. Problemlos aufgetankt wurde in Valencia und Marrakech. Ab Dakar war Geduld gefragt. CYL wurde überall aufgetankt, nachdem während Stunden keine Zusage für Refueling gegeben worden war. In Luanda schien die Angelegenheit aussichtslos, obwohl eine Telefonische Anfrage für Avgas 10 Tage vor dem Abflug in der Schweiz positiv beantwortet worden war. Dank persönlicher Beziehung von Peter Jost zu einem Flugunternehmen am Flugplatz Luanda stand nach ca. 30 Stunden ein Fass mit 200 L zur Verfügung. In Ondangwa, Namibia konnte erstmals wieder an eine Tanksäule gerollt werden.


Die Angaben im Jeppesen betreffend Avgas waren für die meisten afrikanischen Länder auf unserer Route nicht zutreffend.

 

 

Radio:
Bei den Flugvorbereitungen war nirgends ersichtlich gewesen, dass es Staaten gibt welche für den Flugfunk VH vorschreiben, so Rep. Kongo und Angola. CYL ist nicht mit VH ausgerüstet. Glücklicherweise beantwortete die Crew die Frage des Controllers nach VH positiv. Insider in Luanda meinten das Fehlen von VH würde das Grounden der Maschine zur Folge haben.

 

 

Wetter:
Das Kennen lernen und Einschätzen der zu erwartenden Wetterbedingungen auf der geplanten Route war von Bruno Jori übernommen worden und als sehr wichtiges Thema der Flugvorbereitung eingestuft worden. Von erschiedenen Fachleute waren geeignete Internet-Adressen für Sat-Bilder, Metars, Tafs, SWC`s für die geplante Route aufgezeigt worden. Die Beobachtung der Wetterabläufe verschafften eine gewisse Übersicht über die anzutreffenden Bedingungen. Diese Erkenntnisse beeinflussten auch die Routenwahl. Die von Ostafrika bis in den Südatlantik reichende Zone in welcher sich die Luftmassen der nördlicheren Westwinde mit den südlicheren Ostwinden vermischen verschafft der Region im Bereich der Äquators sehr häufig tiefe Wolkenbasis und Gewitter mit starken Niederschlägen. CB`s welche sich oft zu riesigen Gebilden zusammenschliessen. Diese aktive Wetterzone verschiebt sich von April bis Juli von Süden nach Norden, dh. Im April ist das feuchte Wetter in Angola, im Juli im Bereich der Goldküste bis auf Höhe von Mali. Das heisst die Zone ist bei jedem gewählten Datum zu passieren.


Befreundete Piloten in der Schweiz standen der CYL-Crew zur Verfügung um telefonische Wetterberatung bieten zu können wenn solche unterwegs nicht zu erhalten gewesen wären. Auf diesem Ferry-Flug ganz anders als beim Ostafrikaflug 2001 erhielten Bruno und Peter auf Meteobüros der angeflogenen Plätze gute, zweckmässige Meteo-Infomationen.


Anspruchsvolle VFR-Bedingungen mussten bereits nach dem Start in Valencia und im Bereich von Agadir bewältigt werden. Schlechte Sicht aufgrund starken Dunstes bis in grosse Höhen zwangen in Senegal, Mali, Cote d`Ìvoire bis Togo zu Sichtflug mit Einsatz des künstlichen Horizontes.
Von Mali bis Angola fanden die Flüge meist im Sichtflug über Bewölkung (scatteret bis broken) statt. Schwierige Verhältnisse traf HB CYL auf dem Flug von Lome (Togo) nach Douala (Kamerun) an.


Bei Malabo in ca. 1000 Fuss über dem Meer, neben isolierten CB wurde eine nicht vorgesehene Landung aufgrund der misslichen VFR-Bedingungen in Betracht gezogen. Malabo verweigerte eine Landeerlaubnis. Nach Erhalt eines neuen Metars von Douala wurde entschieden die Schauer zu umfliegen und in Douala konnte gelandet werden.

 

 

Eindrücke, Erlebnisse in der Luft und am Boden:
Auf den ersten beiden Legs, Locarno-Valencia und Valencia - Marrakech war die Alpenquerung auf direktem Kurs auf FL 095 über auftürmenden Kumuluswolken eindrücklich. Im südlichen Spanien beeindruckte das Gebiet von Giberaltar und die Meerenge. In Marokko sind es die typischen Strukturen der Häuser und Siedlungen welche aus der Luft und später in Marrakech bewundert wurden.


Die Westsahara, Mauretanien bis Senegal beeindruckten durch endlose Weite und Leere teils über der Sahara, teils über der Küste. CYL entschied aufgrund der zur Verfügung stehenden Endurance Nouakchott auszulassen und flog in 9:24 Marrakech - Dakar direkt.
Ein flugfreier Tag zum Ausruhen wurde zum Besuch der Sklaveninsel Goree, vor Dakar gelegen benutzt. In Goree wurden in der Zeit der Sklaven - Transporte über den Atlantik die Menschen zusammengezogen um später verkauft, durch das Tor of no retourn ein Schiff Richtung Amerika zu besteigen.


Von Mali nach Togo beeindruckte der Überflug riesiger unbewohnter (meist unlandbarer) Gebiete bei fortschreitender Zunahme der Luftfeuchtigkeit. Mancher Blick der 2 Piloten richtete sich in solchen Situationen auf die Öldruckanzeige oder den GPS.
In Lome (Togo) wurde der nächste 2-tägige Aufenthalt beschlossen. Beim Besuch in einem Eingeborenen-Dorf wurden die beiden Piloten vom Dorfoberhaupt mit seinen 3 Beratern empfangen. Der Gide aus Lome führte die Besucher noch an die weltgrösste Sulfat-Mine. Bereits in Dakar war die grosse Armut mit der enorm starken Bevölkerungsdichte in den Städten feststellbar. Das selbe Bild bot auch Lome und änderte sich nicht bis Namibia erreicht wurde.


Auf dem Flug von Lome nach Douala war das Niger-Delta zu überfliegen. Riesige Wasserläufe mit tropischem Regenwald unter den Flügeln beeindruckten die Flieger aus der Schweiz. Die Abfackelungen bei der Erdöl- und Erdgasförderungen bestätigten die starke Verbreitung der Energiegewinnung in Nigeria.


Auf der Route Douala nach Luanda setzte sich der Eindruck der Eigenartigkeit der Tropen mit den riesigen Wäldern und Flüssen fort. In der Rep. Kongo und Gabon war die umfangreiche Holzgewinnung unübersehbar.


In Libreville (Gabon) wurde trotz geplanter Landung nicht angeflogen, sondern direkt bis zum Alternate, Luanda weitergeflogen. Die Schwierigkeiten bei der Benzinbeschaffung, die recht hohen Hotelkosten und Gebühren veranlassten die CYL Crew die Gesamtreise um 2 Tage zu verkürzen, schliesslich wartete in Namibia mit der Roidina Lodge ein sehr angenehmer Zielort.


Eine Stadtrundfahrt in Luanda bestätigte die grosse Armut und vermittelte zudem den Eindruck, dass das vor Jahrzehnten blühende Zentrum der Stadt jetzt heruntergekommen wirkt. Schöne Bauten aus der Kolonialzeit lassen auf bessere Zeiten dieser Stadt schliessen.
Die letzte Etappe mit Zoll- und Fuelstopp in Ondangwa führte über eine sehr schöne Angolanische Landschaft hinein nach Namibia in Gebiete welche die Piloten schon von früheren Flügen in Namibia kennen.


Der Überflug der Etosha-Pfanne und in der für Namibia typischen Luft und dem hellen Licht begeistert alle Touristen welche dieses Land bereisen.
Nach insgesamt 49 Flugstunden endete der Ferry-Flug mit der Landung auf Roidina.

 

 

Das Ziel die Roidina Fly In Farm:
mit einer Grösse von 5100 ha liegt im Zentrum von Namibia. Die Eigentümer Peter und Margrit Jost betreiben die Lodge seit 6 Jahren. Auf der Roidina Fly In Farm werden nebst Unterkünften in Luxusbungalows und 2-Zimmer Units auch Wildbeobachtungsfahrten sowie Ausflüge mit Autos und den zum Lodgebetrieb gehörenden Flugzeugen angeboten. Für Piloten stehen 2 Cessna 182 Q / 182 RG zur Charterung zur Verfügung. Für den Flugbetrieb steht die private Piste mit 1100 m Länge sowie eine Hangar mit der nötigen Infrastruktur bereit.

 


Weitere Angaben zur Roidina Fly In Farm unter www.natron.net/roidina ab Mitte August www.roidina.com für Piloten.